Der gestrige Morgen in Irkutsk begann für uns mit durchschnittlich 30 Minuten Schlaf pro Person. Da wir während der viertägigen Zugfahrt stetig die aktuelle Zeitzone ignoriert hatten, waren wir nun schwer gejetlaged.
Um 8:10 Uhr sollte unser Bus zur Insel Olchon abfahren. Alexej fuhr uns um kurz vor halb acht zum Busbahnhof, nachdem er uns netter Weise ein leckeres Frühstück mit Omelet und russischer Kalten Schnauze zubereitet hatte.
Der Bus war schon ausgebucht. Im 9 Uhr Bus bekamen wir die letzten Plätze. Die 90 Minuten in der Bahnhofsvorhalle waren auf Grund der Einheimischen sehr interessant. Gesindel, aufgebrachte Frauen, Kinder, Betrunkene und private Fahrer, die uns zu Sonderpreisen nach Olchon bringen wollten, trieben sich hier herum.
Um 8:45 Uhr kam unser Bus und für die Verhältnisse hier am Bussteig gehörte dieses Gefährt noch zu den besseren.
Die Busfahrt war ein Highlight. Zwei Drittel der Gruppe saß noch nie in irgendetwas, was so geschaukelt hat. Fabian erinnerte es sehr stark an Farmstraßen in Afrika. Ein gefühlt 30 Jahre alter KIA Bus mit abgefahrenen Reifen, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 112km/H (laut GPS) über Sand und Schotterpisten mit Schlaglöchern unterwegs war. Unser Fahrer schien noch eine Verabredung auf Olchon zu haben und schaffte die Strecke in sechs statt acht Stunden. Vermutlich eigene Bestzeit.
Am Fähranleger standen da auch schon zwei voll beladene Fähren und eine sehr lange Schlange mit Autos. Im ersten Moment dachten wir, dass dauert ewig, jedoch fährt man als Linienbus ganz geschmeidig an allen Wartenden vorbei und kann direkt übersetzen. Innerhalb von 10 Minuten waren wir auf der Fähre, konnten aus strategischen Gründen zu erst die Leinen los machen und überholten damit den Bus, der um 8 Uhr von Irkutsk gestartet war. Während der kurzen Überfahrt konnten wir die Größe und Schönheit des Baikalsees schon gut erahnen.
Die restliche Strecke im schnellsten Bus Russlands dauert noch eine knappe Stunde. Um 15 Uhr erreichten wir das Hauptdörfchen Chuchir der Insel mit 1200 Einwohnern. Nach kurzem Fußmarsch waren wir auf Nikitas Homestead. Das Areal ist eigenes Dorf im Dorf. Hier gibt es verschieden Wohnhäuser, Waschhäuser, Banyas, einen Souvenirshop, Buffethäuschen und sogar ein französisches Restaurant.
Nach Borschtsch und gebratenem Fisch mit Salat bekamen wir dann unser Häuschen gezeigt. Weil wir ein bisschen spät gebucht hatten, kommen wir ca. 80m entfernt bei einem Nachbarn von Nikita unter. Wir haben eine gemütlich kleine Holzhütte mit Strom, Licht und einem Plumsklo gegenüber.
Nach einer kleinen Pause gingen wir auf Dorferkundungstour. Auf den Straßen stehen Kühe vor windschiefen Holzhütten und streuende Hunde sind immer präsent. Verlässt man Nikitas Homestead über das nördlichste Gartentor hat man einen wunderschöner Blick über die Meerenge des Baikalsees zwischen Olchon und Festland. Man sieht fast unerreichbare Strände zwischen Steinschluchten, die in glasklarem türkiesen Wasser enden.
Wir wandern ein wenig umher und schließlich schaffen wir es auch zum Ufer. Wir stellen fest, dass das Wasser sehr kalt ist und vertagten das Baden. Auf dem Rückweg tranken wir noch ein Pivo in einem der dorftypischen Baltika-Bierzelte, wo ein Bier ca. 70 Cent kostet. Auf der Karte standen auch drei verschiedene Sorten Oettinger.
Abends gibt es wieder gebratenen Fisch als Vorspeise und anschließend konnten wir zwischen Fleisch mit Reis oder Kartoffeln wählen. Zum Abschluss gibt es ein mit Zuckerkruste überzogenes Milchbrötchen. Im „Relax Cafe“ liegen wir dann noch auf gemütlichen Teppichen herum und versuchen ins Internet zu kommen.
Später machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Dörfchen, in dem wir sogar mehrere kleine Minimärkte, Minikneipen und eine Minidisco entdecken, in der drei betrunkene russische Omas zu einem russischen Mickey Krause tanzen.
Da die Spuren der kurzen Vornacht uns immer noch in den Knochen lagen beschlossen wir nicht in Christians Geburtstag rein zu feiern, sondern uns mal ordentlich auszuschlafen.
Heute morgen regnet es und es sieht so aus, als ob es den ganzen Tag so bleiben wird. Zum Frühstück gab es Porridge, Spiegeleier und Pfannkuchen mit Marmelade. Lecker.

