alle Beiträge zum Thema Moskau
Vier Tage und vier Nächte06 08 09
Vier Tage und vier Nächte im Zug sind eine lange und komfortreduzierte Zeit. Die Highlights sind die längeren Aufenthalte, an denen wir uns auf den Bahnsteigen mit Essen und Getränken eindecken. Russische Omas verkaufen frisch zubereitete Speisen für wenig Geld. Es gibt Obst und Gemüse, fleischgefüllte Teiggerichte, Chips, Tannenzapfen, Flusskrebse, halbe Hähnchen, Schenkel und Bier. An einem Stopp verkaufte ein Mann im Anzug Kinderbücher. An einem anderen Halt gab es zum Leid vieler Transsibreisenden nur Kuscheltiere. An manchen Bahnhöfen betteln Kinder. Im Zug werden während der Stopps die Toiletten abgeschlossen. Wer am Bahnhof pinkeln muss,
schleicht sich nachts hinter den Zug oder geht aufs Ganze und rennt in die Bahnhofshalle. Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Zug noch da ist, wenn man zurück zum Gleis rennt.
Die Uhr tickt hier anders. Der gesamte Zug passiert auf seiner achttägigen Reise von Moskau nach Wladiwostok sieben Zeitzonen. Für uns sind es von Moskau bis Irkutsk fünf Stunden, die hinzukommen. An Board und auf allen Bahnhöfen entlang der Strecke gilt die Moskauer Zeit. Dies verunsichert, denn man weiß nie so recht wonach man seine eigene Uhr richten soll.
Der Zug schaukelt gemächlich durchs russische Land. Die Landschaft wird zunehmend hügeliger. Birken weichen Nadelhölzern. Es sieht zwischenzeitlich aus wie im Schwarzwald. In Sibirien sind die Häuser der kleinen Dörfer aus bunt lackiertem Holz. Die Straßen sind unasphaltiert. Kinder winken, wenn der Zug vorbeifährt.
Wir sitzen im Speisewagen und schreiben Postkarten, essen einen Teller Borschtsch und schauen aus dem Fenster.

Das Personal ist ruppig. Service wird klein geschrieben. Wir kommen mit den Mitreisenden ins Gespräch. Auf Grund der Sprachbarrieren bleibt es leider bei wenigen Worten und freundlichen Blicken. Der Russe trägt während der Zugfahrt ein Unterhemd oder weniger und ist
wortkarg. Im Speisewagen treffen wir die mitreisenden Europäer. Mit anderen Backpackern tauschen wir Geheimtipps aus.
Nur wenige Russen sind seit Moskau an Board. Das Personal ist seit der Abfahrt unverändert. Harter Job.
Wir fühlen uns sicher. Die Abteile können von innen verriegelt werden. Unser Nachbar hat sogar einen Schlüssel, um von außen abzuschließen. Das Zugpersonal achtet darauf, dass nur Personen mit Fahrschein einsteigen. Einzige Ausnahme sind Leute, die Schmuck, Felle oder Klamotten verkaufen, Die klopfen an jedes Abteil und wollen ihre Ware verkaufen.
Die Tage vergehen wie im Flug. Es gibt immer was zu sehen.

Steigen Sie ein, Ihr Zug faehrt jetzt ab05 08 09
Die Eingewöhnungszeit ist rum. Wir hatten eine Woche um uns besser kennen zu lernen und uns an
das Zugfahren zu gewöhnen.
Am Sonntag fuhren wir mit dem Taxi zum Jaroslawskaja Bahnhof. Der Taxifahrer hatte Tschakkos im
Kofferraum. Vielleicht braucht er die im totalen Verkehrschaos auf Moskaus Straßen.
Das Shoppen am Bahnhof fiel aus. Zu viele total betrunkende Obdachlose, Straßenkinder, Polizisten
und Junkies. Als der Zug Moskau – Wladiwostock gegen Mitternacht einrollte, war auf dem
Bahnsteig ordentlich was los. Vom Typen vor lies die Schaffnerin den Ausweis aufs Gleis fallen.
Unsere Viererkabine ist oll, aber okay. Ein Bett bleibt frei. So haben wir etwas mehr Platz.Als erstes
wurde das Boardrestaurante ausgecheckt. Es hatte schon geschlossen, aber mit viel Charme gab es
noch ein Bier für 80 Rubel.
An den meisten Bahnsteigen gibt es wirklich die Einheimischen (meistens auch Omas), die einem
von Früchten der russischen Natur bis hin zu vibrierenden Kuscheltieren alles versuchen
anzudrehen.

Ab und an kommen auch einige Verkäufer für eine Station an Board. So hat man dann
auch die Wahl zwischen Ringen, Häkeljäckchen und gefälschten Markenklamotten.
Ein typischer Tag auf den Gleisen Sibiriens sieht wie folgt aus: beim ersten Stopp raus und ein
kleines Frühstück organisieren. Dann eine ganze Weile gar nichts machen, bis dann der nächste
Bahnhof kommt. Dann wieder raus und ein Mittagessen organisieren oder alternativ ins
Boardrestaurant. Wir wählen irgendetwas aus der kyrillischen Speisekarte oder zeigen auf die Teller
anderer Gäste. Wenn die Sonne untergegangen ist, startet das Abendprogramm: Kartenspiele,
Würfel und Schnaps.

Da steht ein Pferd auf dem Flur02 08 09
Nach drei Tagen Moskau reicht’s. Heute Nacht setzen wir uns für vier Tage in den Zug und fahren quer durchs Land über den Ural nach Sibirien. Moskau ist keine Stadt, in der man die Seele baumeln lassen kann. Am ersten Tag standen wir nachts in Badelatschen an einer stark befahrenen sechsspurigen Straße und suchten eine Bar, in der wir ein Bier trinken konnten. Auf dem Bürgersteig kamen uns zwei junge Mädels auf Pferden entgegen. Verrückt!
Die Stadt ist voller Gegensätze und wirkt extrem unausgeglichen. In den Parks pennt die besoffene Armut auf der Parkbank, eine Straße weiter parken protzig die Porsche Cheyennes auf dem Fußweg. An jeder Ecke steht finster blickend die Polizei, das Militär oder irgendwelche anderen kahlgeschorenen Jungs in Uniform. In den großen U-Bahnstationen stehen duzende Cops, die die Fahrgäste mustern. Das Fußballspiel im Olympiastadion, das wir uns gestern anguckten, war nicht zu vergleichen mit einem Heimspiel von Hannover 96. Der Weg von der U-Bahnstation ins Stadion führte an massiver Militärpräsenz vorbei. Für normale Russen ist der Eintritt teuer. Das Stadion bietet Platz für 80.000 Zuschauer. Gestern waren maximal 20.000 Plätze verkauft. Statt Ordnern kontrollieren Soldaten die Tickets. Am Spielfeld wurden Schäferhunde eingesetzt, um das Spiel abzusichern. Die Fans versuchten trotzdem für Stimmung zu sorgen. Spartak gewann 4:0.
Heute waren wir am Kremel auf der Jahrestagsfeier der russischen Luftwaffe. Überall in der Stadt liefen stark angetrunkene Skinheads mit Flaggen rum, die gröhlten und sangen. Die Typen gehören zur Armee und hatten heute frei. Das restliche russische Militär sicherte die Party ab. Überall standen Truppen und Offiziere. Wir trauten uns bis zur Gulaschkanone und ließen uns einen Teller Buchweizengrütze geben. Nachmittags trafen wir uns mit Alona, die uns durch den Kremel führte. Sie spricht perfekt deutsch und ist eine Freundin von einer Freundin von einer Mitstudentin von Fabian. Sie erklärte uns, wann die Kirchen erbaut wurden und wer darin begraben ist. Anschließend aßen wir vermutlich zum letzen Mal Fritten und kehrten zurück zum Hostel. In 15 Minunten holt uns das Taxi ab und fährt uns zum Bahnhof
Reingehauen ;-)
PS: Wenn wir in Irkutsk sind, laden wir tolle Bilder hoch!
Scotland Yard31 07 09
Scotland Yard ist ein klasse Gesellschaftsspiel und wer es im heimischen Straßenbahnnetz ausgetragen hat, weiß dass es Spaß macht.
In Moskau läuft das Spiel den ganzen Tag: Unsere Mission lautet nicht von der Polizei oder Militia gestellt zu werden- und das obwohl wir nicht einmal etwas verbrochen haben. Man könnte meinen, wir werden aus Jux und Dollerei in den Wahnsinn getrieben.
Wir machten das Beste draus: Möglichst unauffällig und einheimisch Kleiden (Haller und ich waren auf einem ukrainischen Markt noch schnell Trainingshosen für jeweils 3,50 € shoppen) und ab ins Getümmle der 10 Mio Einwohner-Stadt.
Die ersten Sehenswürdigkeiten sind gesehen. Wir lassen uns nicht entmutigen, bleiben auf der Hut und machen so weiter.
Wir haben es natürlich auch in Bildform gespeichert, ein Moskau-Rundgang zum nachgehen- das Scotlandyardfeeling kostenlos dazu.














































































































































































